Carsten Giersch (geb. 1965) ist Experte für politische Risiken, Konfliktrisiken und Probleme der strategischen Kooperation. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der vergleichenden Analyse der politischen Systeme der Staaten sowie in Fragen der internationalen Sicherheit. Giersch ist Privatdozent für Politikwissenschaft an der Universität Rostock.
Seine Habilitationsschrift erforscht die Rolle von Risikoeinstellungen in internationalen Konflikten. Die Studie ist interdisziplinär angelegt und bezieht neben politikwissenschaftlichen auch ökonomische, psychologische und organisationssoziologische Ansätze ein. Die auf dieser Grundlage entwickelten Anwendungen der Entscheidungs-, Spiel- und Verhandlungstheorie sind auf die strategischen Probleme von Konflikt und Kooperation und allgemein übertragbar.
Carsten Giersch studierte Politikwissenschaft, Geographie und Neuere Geschichte an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Bonn. In seiner Magisterarbeit untersuchte er die Probleme der Föderalismusreform in Deutschland. Von 1992 bis 2000 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Politische Wissenschaft der Universität Bonn.
An die Promotion schloss sich 1998/1999 ein von der Fritz-Thyssen-Stiftung gefördertes Fellowship am Center for International Affairs der Harvard University an. Danach war er bis 2006 Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Politikwissenschaft der Universität Rostock.
Carsten Giersch veröffentlichte im Jahr 1998 seine Dissertation Konfliktregulierung in Jugoslawien. Die Rolle von OSZE, EU, UNO und NATO 1991-1995. Darin werden die Reformen und das Zusammenwirken der Sicherheitsinstitutionen untersucht sowie deren Methoden der Konfliktbeilegung. Darauf folgte eine Reihe von Aufsätzen zur Konfliktforschung und zur internationalen Sicherheitspolitik, darunter zum Kosovo-Konflikt.
Seine Erfahrung als Dozent umfasst eine Vielzahl von Lehrveranstaltungen und Vorträgen zu Themen der vergleichenden Regierungslehre und der internationalen Beziehungen. Hinzu kommen gutachterliche Tätigkeiten sowie die Durchführung von strategischen Planspielen und computergestützten Verhandlungssimulationen.
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Publikationen
- Risikoeinstellungen in internationalen Konflikten (VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2009).
- Konfliktregulierung in Jugoslawien 1991 - 1995. Die Rolle von OSZE, EU, UNO und NATO
(Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1998). Inhaltsverzeichnis als PDF
- International Law and Collective Conflict Management, in: Globalisation – The State and International Law, ed. by Stephan Hobe. Beiheft 76 der Historischen Mitteilungen der Ranke-Gesellschaft, Stuttgart 2009, S. 81-93.
- Sicherheitspolitische Probleme im Ostseeraum, in: Detlef Jahn/Nikolaus Werz (Hg.): Politische Systeme und Beziehungen im Ostseeraum, München 2002, S. 219-232.
- Zehn Jahre europäisches Krisenmanagement auf dem Balkan – Eine vergleichende Bilanz der Kriege in Kroatien, Bosnien und Kosovo, in: Krieg und Frieden, hg. v. Wichard Woyke, Schwalbach/Ts. 2002,
S. 22-37.
- Konfliktregulierung ohne Konzept und Konsens, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (Die Gegenwart)
vom 23.3.2000.
- Nato und militärische Diplomatie im Kosovo-Konflikt, in: Der Kosovo-Konflikt. Ursachen, Verlauf, Perspektiven, hg. von Jens Reuter und Konrad Clewing, Klagenfurt 2000, S. 443-466.
- Die Europäische Union und der Krieg im Kosovo, in: ebd., S. 499-512.
- Multilateral Conflict Regulation - The Case of Kosovo, Weatherhead Center for International Affairs, Harvard University, Working Paper Series, No. 4/2000, Cambridge/Mass.
- Föderalismus und Länderparlamentarismus nach der deutschen Einheit, in: Macht und Zeitkritik, Festschrift für Hans-Peter Schwarz, hg. v. Peter R. Weilemann, Hanns Jürgen Küsters, Günter Buchstab, Paderborn 1999, S. 637-648.
- Der Jugoslawien-Konflikt als Testfall Europäischer Sicherheit, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 29/1997, S. 26-38.
- Die westliche Politik und der Kroatien-Krieg, 1991-1992,
in: Südosteuropa, 3-4/1994, S. 91-125 (zusammen mit Daniel Eisermann).
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Rezension
Carsten Giersch
Risikoeinstellungen in internationalen Konflikten. Bestellung über Verlag
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 389 S.; 39,90 €; ISBN 978-3-531-16453-3
Rezension der „Zeitschrift für Politikwissenschaft“ erschienen online am 8. April 2009 (zpol.de):
Wie können riskante Entscheidungen von Politikern, namentlich im Zusammenhang mit Krieg und Frieden, präzise analysiert werden? Diese Fragestellung wird im ersten Teil auf internationale Konflikte und im zweiten Teil auf Bürgerkriege angewandt. Dabei formuliert Giersch die These, dass die etablierte Erwartungsnutzentheorie, die sich auf die subjektiven Risikoeinstellungen der Protagonisten konzentriert, durch die „Prospect-Theorie“ komplementär ergänzt werden müsse. Letztere bezieht den Status der Akteure ein. Dieser Status umfasst nicht nur den politischen Rang, sondern auch die Perzeption der Problemlage (das „Framing“). Als erstes Ergebnis hält Giersch fest: „Immer dann, wenn Akteure in unsicheren Entscheidungssituationen ein Defizit zwischen dem Status quo und einem anderen Status als Referenzpunkt wahrnehmen, werden sie in der Regel risikofreudige Präferenzen entwickeln“ (85). Diese Erkenntnis wird durch zahlreiche empirisch-analytische Beobachtungen gestützt und führt zu einer differenzierten Darlegung der Kriegsrisiken in internationalen Konflikten. Im zweiten Teil wird die Befriedung von Bürgerkriegen eingehend untersucht. In diesem Zusammenhang entwickelt Giersch die These, dass es nunmehr riskant sei, von der militärischen zur politischen Ebene zu wechseln, weil ein Friedensschluss Unsicherheiten für die Bürgerkriegsparteien mit sich führe. Dagegen stellt er das „Konzept der Risikominderung“ (223), das vielfältige und miteinander vernetzte Schritte vorsieht, die dann minutiös ausgearbeitet und vorgestellt werden. Insgesamt handelt es sich um eine faktenreiche und detaillierte Zusammenstellung von politischen Erfahrungsregeln, die im Rückgriff auf die Wahrscheinlichkeitsrechnung präsentiert werden.
(Dr. habil. Volker Stümke, evangelischer Theologe, Priv.-Doz. für evangelische Sozialethik, Führungsakademie der Bundeswehr Hamburg) |